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Goethe und Köln

Eine Goethe-Gesellschaft in Köln hat durchaus beachtliche Berührungspunkte mit dem Gegen­stand ihrer Verehrung, war Goethe doch 1774 und 1815 jeweils Ende Juli in Köln und von dieser einstigen größten Stadt des mittelalterlichen Deutschlands gebührend beeindruckt. (Kölner und Kenner des heutigen Köln verblüfft dabei immer wieder die Information, dass Goethe und die Brüder Jacobi von ihrem Gasthausfenster am Rheinufer am Thurnmarkt - etwa in der Gegend des heutigen Roten Ochsen - über dem Siebengebirge den Mond aufgehen sahen.)

Goethe war vor allem von drei Dingen fasziniert, die Köln heute noch auszeichnen:  vom Dom, von den privaten Kunstsammlungen und vom Kölner Karneval. Über die Zukunft der rheinischen Kunstschätze einschließlich des Doms unter der neuen Verantwortlichkeit Preußens wurde Goethe auf Bitten des Freiherrn vom Stein sogar gutachterlich tätig.

Mit den von ihm befürworteten und geförderten Plänen zur Vollendung des Kölner Doms war Goethe ohnehin bestens vertraut durch seine im Zeichen dieser Pläne geschlossene Altersfreundschaft  mit dem Kölner Sulpiz Boisserée, der zusammen mit seinem Bruder Melchior der eifrigste Propagandist der Domvollendung war.

Auch empfahl Goethe im Grunde bereits den Bau des späteren Wallraf-Richartz-Museums, wenn er dringend zur Wahl eines „hinreichenden Lokals“ rät, um Wallrafs Schätze „dem gemeinen Wesen“ zuzueignen, „zu ordnen, genießbar und  nutzbar zu machen.“

Kölns fünfter Jahreszeit widmete er sogar eine eigene Gedichtstrophe, als die Reformatoren des völlig zum unflätigen Bacchanal unterster Schichten verkommenen Kölner Karnevals ihn 1825 um Unterstützung baten:

Löblich wird ein tolles Streben
Wenn es kurz ist und mit Sinn;
Heiterkeit zum Erdeleben
Sei dem flüchtigen Rausch Gewinn.


Köln und Goethe

Aber Köln war auch eine frühe Stätte der Goethe-Verehrung durch das Wirken eines Goethe-Philologen der ersten Stunde, Heinrich Düntzer (1813–1901), der seine altphilologischen Studien in Bonn und Berlin bei A.W. Schlegel und Karl Lachmann nicht nur für Homer, sondern auch für Goethe und seine Zeit fruchtbar zu machen verstand.

Kaum ein anderer hat so viel zu Goethe geforscht, ediert und kommentiert wie er – einen Lehrstuhl hat ihm das nie eingetragen, weil er als Persönlichkeit von seltener rechthaberischer Unverträglichkeit gewesen sein muss. So zog er sich schließlich verbittert auf die Stelle eines Gymnasialbibliothekars in seiner Heimatstadt Köln zurück, um von dort aus dem Abseits seine Giftpfeile gegen die etablierteren Kollegen zu schleudern. Von der Mitherausgeberschaft der großen Weimarer Goethe-Ausgabe wohlweislich ausgeschlossen, für die er fachlich zweifellos hochqualifiziert war, blieb ihm nur die Mitarbeit an der Goethe-Edition in Kürschners Deutscher Nationalliteratur.

Diese Goethe-Kennerschaft hat Köln nie wieder verloren (wenn auch in deutlich weniger querulant-aggressiver Art); Namen an der Kölner Universität Lehrender wie Heinz Schöffler, Richard Alewyn, Wilhelm Emrich, Wolfgang Binder, Walter Hinck, Karl Otto Conrady, Rolf Christian Zimmermann, Werner Keller,Volker Neuhaus und Rudolf Drux bezeugen dies.

Werner Keller, 1991–1999 der erste frei gewählte Präsident der Internationalen  Goethe-Gesellschaft in Weimar nach dem Mauerfall, war es dann auch, der neben vielen Neugründungen ausländischer Goethe-Gesellschaften weltweit auch die irgendwann in den 60er Jahren versiegte Tradition der Kölner Goethe-Gesellschaft neu belebte und, auf Anregung unserer langjährigen Schriftführerin Marlene Encke hin, 1994 eine Neugründung in die Wege leitete.